Monday, August 22, 2005

Freizeitstress

Ein Wochende ist wieder vorbei und ich habe das Gefuehl, die Zeit rast an einem vorbei. Ich lag natuerlich die meiste Zeit am Pool, habe ja schliesslich auch dafuer bezahlt. Am Freitag hatte ich den Pool ganz fuer mich allein, denn das Wetter war nicht super heiss, aber das Wasser war sehr warm, so habe ich allein im Pool geplanscht. Abends war im North End ein Italien Fest mit lauter Staenden mit leckerem Essen. Samstag war ich wieder schwimmen und shoppen, so langsam findet man doch ein paar Laeden, wo die Klamotten nicht seit 5 Jahren out sind. Abends hatte ich dann die Qual der Wahl. Der eine Anwalt aus meiner Kanzlei hatte mich gefragt, ob ich mit auf irgendeine Geburtstagsparty will, hatte ich natuerlich erstmal ja gesagt, aber dann rief noch eine Bekannte an und sagte sie wolle mit ein paar Freundinnen ausgehen. Hm. Ich habe dann dem Anwalt eine bloede Luege aufgetischt, damit ich mit den Maedels weggehen konnte. Der Anwalt nervt eh ein wenig. Ist erst 26 und will immer mit mir mittagessen. (Amerikaner haben ganz schreckliche Tischmanieren!!)
Girlsnight war recht lustig. Allerdings hatte ich mal wieder Probleme in die Bar zu kommen, weil die Tuersteher mit unserem Perso nix anfangen koennen. Ich muss mir langsam echt angewoehnen den Pass mitzunehemen. Da ich gluecklicherweise mein Geburtsdatum auswendig weiss durfte ich dann ausnahmsweise doch in den Club. Ich definiere Club: Ein Teil ist Restaurant, ein Teil ist Bar und im dritten Teil spielt eine Band. Wir haben also erst gegessen und sind dann Richtung Band. Als die Band nicht mehr weiter gespielt hat, sind wir in eine andere Bar, wo auch eine andere Band gespielt hat. Von DJ's halten die hier nicht viel. Ausser man geht in einen Techno Laden. Im Uebrigen denken alle Amerikaner, dass alle Europaer nur Techno hoeren. Es wird dann auch nicht weiter unterschieden. Alles was irgendwie elektronische Musik ist, ist auch Techno. Die Bands waren eher mittel, die Lautstaerke dafuer am Anschlag. Die Haelfte der Songs kannte ich nicht, wohl aber alle Amerikaner, die inbruenstig mitsangen. Naja, um ein Uhr bin ich dann ziemlich taub nach Hause gegangen. Bis auf meine Bekannte, die fahren musste, waren alle anderen Amerikanerinnen ziemlich betrunken. Ich dachte das waere nur in der Highschool so gewesen, dass man sich bis zum Anschlag volllaufen laesst, aus Angst man bekaeme ein paar Monate lang nichts mehr. Es scheint aber immer noch so zu sein, denn auch alle anderen Leute in der Bar waren nicht besonders nuechter.

Gestern Abend haben mich dann Jerry Blakeley und Ehefrau, fuer den ich in Frankfurt mal auf einer Messe gearbeitet habe, schick zum essen eingeladen. Das war wahrscheinlich das erst mal, dass ich richtig gutes Essen bekommen habe. Es ist alles so unerschwinglich teuer, dass man sich nur ein Stueck Pizza leisten kann.
Auf jeden Fall hat mir Jerry gleich einen Job angeboten. Ich solle fuer seine Firma arbeiten (er stellt Thermomether her), da sie gerade dabei sind den europaeischen Markt zu erobern, und ich 3 Sparachen fliessend spreche. Kann man ja mal drueber nachdenken...

Morgen kommt Holger nach Boston. Leider darf ich keine Gaeste in meinem Zimmer haben, also laeuft das ganze illegal. Wenn sie das rausbekommen, schmeissen sie mich wahrscheinlich raus. Ich melde mich dann vom Obdachlosenheim wieder.

Thursday, August 18, 2005

Was fuer ein Tag

Gestern war ein langer und toller Tag! Frueh am Morgen bin ich nach Concord mit der BimmelBahn gefahren. Kein Scherz, die Zuege hier sind so langsam, dass man nebenher joggen koennte. Um viertel nach 8 hat mich mein Anwalt vom Bahnhof abgeholt und dann sind wir zum oertlichen Gericht gefahren, denn unser Fall ging weiter. Nach unendlicher Warterei, wurde unser Fall schliesslich auch aufgerufen. Ich verstehe nicht wieso man nicht Termine vereinbart, so wie es bei uns ueblich ist. Stattdessen bestellt man 50 Leute auf 9 Uhr und alle muessen warten bis sie dran sind.
Nungut, um 11 Uhr waren wir dann dran. Es wurde eine neue Jury gewaehlt, diesmal sehr zu unseren Gunsten, denn von 6 Personen waren 5 Maenner. Zur Erinnerung unser Klient, 33 Jahre alt etwas zurueckgeblieben, soll seine damalige Mitbewohnering geschubst haben.
Das "Opfer" sagte wieder als erste aus und fing an den gleichen Stellen an zu heulen, wie vor 2 Wochen. Kaum Unterschiede. Dann kam der Policeman in den Zeugenstand und bestaetigte, dass das"Opfer" gelogen hatte. Im Polizeibericht standen naemlich noch andere Dinge, die unser Klient angeblich getan haben soll, an die sich das "Opfer" allerdings nun doch nicht mehr erinnerte. Zum Schluss hat noch ein Freund fuer den Angeklagten ausgesagt und dann war die Sache eigentlich ziemlich klar. Die Jury zog sich zur Beratung zurueck und nach 45 Minuten kamen sie mit dem Urteil: Not Guilty. Das war zu erwarten, da das "Opfer" ueberhaupt nicht beweisen konnte, was sie dem Angeklagten vorwarf. Alle haben sich total gefreut. Ich durfte waehrend der Verhandlung mit am Anwaltstisch sitzen, obwohl das eigenlich nur den Mitgliedern der Anwaltskammer erlaubt ist. Der Richter mochte mich aber anscheinend. Das war gut, denn so konnte ich die Geschworenen besser sehen.

Nach dem Prozess nahm ich den Zug wieder zurueck und taperte so durch die Gegend, als ich ploetzlich sah, dass vor einem Gebaeude ein Fim gedreht wurde. Neugierig naeherte ich mich der Szene. Unbemerkt habe ich mich zwischen die Schauspieler gestellt was ich allerdings auch nicht wirklich wusste, bis dann nach und nach immer Leute fuer verschiedene Szene ausgesucht wurden. Leider war der Dreh um 19 Uhr zu ende, aber wenigstens habe ich 30 min lang Martin Scorsese angestarrt, der nur 20 m von mir entfernt sass. Der Film heisst Devided, Robert de Niro spielt auch mit, und er kommt naechstes Jahr in die Kinos. Ach ja, Hollywood ist doch so nah!!

Spaeter habe ich am Meer Thaichickencurry gegessen, den Sonnenuntergang und schoene Schiffe angeschaut, bis ich mich auf den Weg nach Hause machte. Unterwegs bin ich noch an einem Jazz Konzert vorbeigelaufen, habe ein wenig zugehoert, bevor ich mich dann endgueltig eintschied nach Hause zu gehen. Von weitem konnte ich sehen, dass auf der Hoehe meines Hauses ein Feuerwehrfahrzeug stand. Je naeher ich kam, desto sicherer wurde es, in meinem Haus war Feueralarm. Alle Leute standen vor der Tuer. Ich habe schon gedacht, dass ich nun mein gesamtes Hab und Gut verloren haette, als mir jemand sagte, dass es doch nur falscher Alarm war und nichts passiert sei. Da haben wir nochmal Glueck gehabt.

Tuesday, August 16, 2005

Der Sommer in Boston

Der Sommer in Boston ist ziemlich heiss, wie ich feststellen musste. In meinem Zimmer sind konstante 30 Grad, die auch ein Ventilator nicht reduzieren kann. Am Wochenende hatten wir knapp 40 Grad, was dann allerdings zu einem Gewitter fuehrte, welches sich ueber 6 Stunden erstreckte. Danach war Boston ziemlich ueberschwemmt. Das hindert die Menschen aber nicht daran ihre Plaene zu aendern. Nachdem der Regen einwenig nachliess und mir unglaublich langweilig in meinem Zimmer war, hatte ich beschlossen einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Also ging ich hinunter zum Charles River. Vollkommen verdutzt stellte ich fest, dass diese Idee auch noch ungefaehr 100 000 Inder hatten. Je naeher ich dem Wasser kam, desto mehr Inder waren um mich herum. Es stellte sich schnell heraus, dass am Sonntag Indian Day war und sich nun die gesamte Indische Bevoelkerung Bostons auf der Wiese vor einer Buehne am Charles River versammelte. Dort angekommen habe sie sich alle auf den nassen Rasen fallen gelassen und gefeiert. Auf der Buehne sangen indische Kinder Volkslieder und um die Wiese herum hatten indische Restaurants kleine Fressbuden aufgebaut. Es war nett und roch lecker dort, doch dann fing es wieder an zu regnen. Die Inder stoerte dies nicht, aber mir wurde es ein wenig zu nass, und so zog ich von dannen.

In dieser Stadt ist immer irgendwas los.
Kurz nachdem ich ankam habe ich im Park gesessen, wo abends die Shakespear Group Hamlet aufgefuehrt hat. Allerdings ziemlich modern und ich habe kein Wort verstanden, ich hatte einen Jetlag, habe also nicht viel davon mitbekommen.
Aber in der darauffolgenden Woche war auf einem zentralen grossen Platz eine weitere Buehne aufgebaut, vor der unzaehlige Rentner sassen. Es spielte die US Navy Marching Band. Offensichtlich seht beliebt bei der aelteren Bevoelkerungsgruppe.
Letzten Samstag war dieselbe Buehne wieder aufgebaut. Diesmal sangen die Rolling Stones. So dachte ich zumindest, als ich die Musik von weitem hoerte. Als ich naeher kam stellte ich fest, dass es nur eine Band war, die Rolling Stones Lieder sangen, allerdings ziemlich gut.
Spaeter am Abend lief ich mal wieder duch den Park und hoerte dort ein Synphoniekonzert.
Auf all diese Events treffe ich durch Zufall und niemand verlang Eintritt oder Spenden.
Ich finde das grossartig, was eine Stadt ihren Buergern so bieten kann.
Naja wir in Koeln haben ja zumindest einmal im Jahr unser Ringfest und das tolle Feuerwerk.
Allerdings muss man auch bedenken, dass unser Sommer meist verregnet ist.

Wenn ich mal nicht durch die Stadt laufe und Konzerte entdecke, liege ich meistens am Pool, der zu dem Buerogebaeude gehoert, in dem meine Kanzlei ist.
Dieser Pool ist quasi ins Meer hineingebaut und steht auf Holzpfaehlen. Um einen herum sind Segelboote und kleinere Yachten. Die richtig grossen Yachten liegen 100 m weiter im Yachhafen.
So laesst es sich aushalten.

Allerdings ist so eine kleine Oase auch wichtig, denn mein Zimmer ist nicht gerade einladend. Am Wochenden habe ich in einer Ecke meines Zimmers eine tote Maus gefunden. Daraufhin habe ich erstamal das gesamte Zimmer mit Desinfektionsspray eingesprueht. Wahrscheinlich werde ich mir doch noch eine andere Bleibe suchen.

Friday, August 05, 2005

Die Amerikaner...

Die Amerikaner sind ein seltsames Volk. Immer stolz auf sich selbst, haengen sie auf jede freie Flaeche und an jede freie Wand eine ueberdimensionale amerikanische Flagge. Da fragt man sich als bescheidener deutscher Staatsbuerger was das eigentlich soll. Um Terroristen abzuschrecken ist das nicht der richtige Weg wuerde ich sagen und dass wir hier in Amerika sind weiss wohl auch jeder, also was soll das ganze? Nungut, jedem das seine, ich frage mich bloss wieso das hier so normal ist wie ein Starbucks tall Latte, und in anderen Laender nicht. Man stelle sich diese Masse an riesigen schwarz rot goldenen Flaggen in Deutschland vor, da haetten einige Laender so ihre Probleme mit und notgedrungen wuerden boese Erinnerungen wach. Bei uns ginge das nicht. Warum aber hier? Man weiss es nicht, aber als ich gestern durch das amerikanische Srafgesetzbuch blaetterte ist mir doch etwas sehr amuesantes aufgefallen. Jemand der eine amerikanische Flagge kaputt macht, sie beschaedigt oder in Brand setzt, wird mit 100 $ Bussgeld bestraft, wenn es sich dagenen um eine Flagge eines anderen Staates handelt, muss er nur 50$ zahen. Das ist doch ein Scherz!

Thursday, August 04, 2005

erster Tag bei Gericht

Man erinnere sich an die Verfilmung von "Die Firma" oder "Die Jury", diesmal in den Hauptrollen als Verteidiger Stephen Hrones (mein Anwalt), eine Staatsanwaeltin mit viel zu hoher Stimme und fettigen langen Haaren, sowie ein hysterisches Opfer, oh ja und der Taeter natuerlich viel zu fett und geistig ein wenig zurueckgeblieben. In der Besetzung ereignete sich mein erster Fall vor Gericht, allerdings bisher ohne Urteil. Zunaechst wurde sich im Richterzimmer beraten: Staatsanwaeltin, Verteildiger, Richter und ich!!. Dann hat der Richter beschlossen den Fall vor einer 7 Mann Jury zu eroeffnen. Cool dachte ich, wusste allerdings nicht, dass die Gerichte in Amerika von Zeitangaben nichts halten. So sassen wir und warteten in einem Gerichtssaal ohne Fenster bis nach Stunden endlich unser Fall aufgerufen wurde. Sodann kamen 25 Leute in den Raum, die man auch gut und gerne in irgendeiner Freakshow gestohlen haben koennte. Dies waren die Juroren, von denen dann 7 per Losentscheid ausgesucht wurden. Fuer den armen Angeklagten eher schlecht, denn es waren 6 Frauen dabei. Endlich wurde dann das Opfer gehoert. Der Angeklagte wird uebrigens nicht vernommen... ABER die Show fing dann erst so richtig an: Opfer 19 Jahre alt hat dem Angeklagten vorgeworfen sie geschubst und Hure genannt zu haben. ( Deswegen der ganze Aufriss) Bei den wichtigen Stellen, an denen sie beschrieb was der Angeklagte nun genau getan oder gesagt habe, wurde auch nicht an Traenen gespart. Letzlich konnte die Vernehmung nicht fortgefuehrt werden, weil meinem Anwalt ein Polizeidokument fehlte und er dies erst noch von der STA zugeschickt bekommen muss. Tja, das wars dann. Uebrigens hat das arme Opfer was vorher so bitterlich geweint hat, sofort gelacht als sie aus dem Gericht heraus kam. So schlimm kanns also nicht gewesen sein.
Am 17. geht der Fall weiter, bin mal gespannt....

Tuesday, August 02, 2005

angekommen

Nach einigen Turbulenzen in der Hoehe, ist das Flugzeug dann doch sicher gelandet. Allerdings musste ich feststellen, dass leider nur eins meiner zwei Gepaeckstuecke mit angekommen ist. Wenigstens war es der Koffer mit den nicht so wichtigen Sachen.

Man vergisst leider immer wieder, dass der Jetlag einen ganz schoen fertig macht. So ist man dann am morgen schon mal um halb fuenf wach. Bis sechs habe ich dann noch gedoest und sms geschickt, aber dann musste ich wirklich aufstehen. Um 7 Uhr morgens sass ich dann mit Tee und Muffin im Park und habe Japaner beobachtet, die immer im Kreis gegangen sind. Weiss bis heute nicht warum. Der Muffin war echt ekelig, ich habe ihn nach der Haelfte weggeworfen, weil man nur auf Zucker rumgekaut hat. Um 8 war ich schon in einem anderen Park direkt am Charles river und habe dann die Stadt in Angriff genommen. Bin ca bis abends um 7 durch die Gegend gelaufen. Denn, das Zimmer laed nicht gerade zum verweilen ein. Jedes mal wenn man hinein geht kommt einem ein komischer Geruch entgegen, der auch nicht weg geht, wenn man das Fenster aufmacht. Leider kann man das Fenster ja auch nicht den ganzen Tag aufhaben, da man sich vor Dieben schuetzen muss. So langsam fangen auch schon meine Handtuecher an so zu riechen, was extrem ekelig ist. Eine nette Ueberraschung habe ich auch im Bad erlebt, es gibt uebrigens nur eins auf dem Flur, denn dort ist man nicht allein. Kleine lustige Tiere laufen in der Dusche und im Waschbecken herum. Man muss unglaublich auf seine Zahnbuerste aufpassen, weil die Tiere sie sonst in Beschlag nehmen. Think positiv: so ist man wenigstens nicht die ganze Zeit allein.
Das wirklich einzig Gute an dem Zimmer ist, dass es so zentral ist, dass man ueber all hinlaufen kann.
Zur Kanzlei kann ich noch nicht viel sagen. Im Augenblick lese ich ein Buch, was mein Anwalt hoechst persoenlich geschrieben hat und versuche es zu verstehen. Morgen gehe ich mit ihm zu einem Prozess.
Noch ein paar nette Anekdoten:
1. Immer einen Pulli dabei haben, egal wie warm oder kalt es draussen ist, in den Laeden wir die Teperatur auf konstanten 15 Grand gehalten. Wenn ich naechste Woche krank bin, wundert es mich nicht.
2. Da die Amis alle so fett sind ( auch in Boston, obwohl hier statistisch gesehen die duennsten Amerikaner wohnen), passt mir hier wieder S und die Schaufensterpuppen sind auch alle viel dicker als bei uns!!

soweit die Neuigkeiten.